2017/05/10 – 2017/05/27 Mittwoch – Samstag Horta/Azoren – La Coruna/Spanien (1048sm / ges. 11190sm)

2017/05/10 – 2017/05/27 Mittwoch – Samstag Horta/Azoren – La Coruna/Spanien (1048sm / ges. 11190sm)

Am Mittwochvormittag wurden Bootsarbeiten und die Einweisung mit der neuen Crew durchgeführt. Gleichzeitig betätigten Andre und Dennis sich künstlerisch, indem sie traditionell die MILAN an der Pier als Bild verewigten. Dann hieß es sich sputen, da wir eine Inselrundfahrt über Faial geplant war. Schwerpunkte hierbei waren der Besuch des Vulkanmuseums von Ponta dos Capelinhos, die Felsen von Ponta so Varadouro, der Krater Caldeira und natürlich das Kennenlernen der interessanten Insellandschaft. Der Abend wurde mit einem gemeinsamen Essen im Steakhaus beendet. Jetzt hieß es auch Abschied nehmen von der alten Crew, denn auf Grund der Großwetterlage wurde das Auslaufen auf Donnerstag Früh vorverlegt.

Das jetzige Azorentief soll sich am Wochenende nach Nordosten verlagern und ein Islandtief zieht im Laufe der nächsten Woche nach Südosten, welches sich dann später in der Biskaya stationierten und Ostwind bringen wird. Bei mäßigem Wind segelten wir zwischen Sao Jorge und Graciosa durch und über Nacht hatten wir noch lange an Stb.-Seite die Lichter von Terceira in Sicht. Vereinzelt sahen wir einen Blas eines Wales, eine Fluke bekamen wir jedoch nicht zu sehen.

Jetzt lagen wieder 900sm freier Seeraum vor uns. Noch hatten wir ab und zu Delfine als Begleiter. Wie erwartet nahmen Wind und See laufend zu. Am Sonntag dann blies uns der Wind mit 8 Bft. bei nur 4 qm Vorsegel mit gut 5 kn weiter nach Osten. Die von achtern kommende See mit gut 4 bis 5 m lies die MILAN kräftig schlingern. Erholsamer Schlaf entfiel, die Kombüse blieb mehr oder weniger kalt. Am Dienstagnachmittag dann flaute es dann ab, ein Winddreher um 180° folgte, jetzt hatte das Islandtief uns windmäßig übernommen. Die dabei entstandene Kreuzsee schüttelte uns noch einige Stunden durch. Mittwoch den 17.05. begann erst schwachwindig, der Wind legte aber dann wieder auf gute 5 Bft. zu. So segelte die Milan relativ ruhig dahin, La Coruna war keine 300sm mehr entfernt, 650sm bereits geschafft, dies war doch mal ein Grund für ein Festessen! Einen Berg Pfannkuchen sorgte schnell für Ruhe im Boot, erst war es das Essen – dann der volle Magen, der zu Trägheit der Crew führte.

Kurz nachdem wir das das Verkehrstrennungsgebiet Cape Finisterre nördlich passierten, tauchten plötzlich 3 Pottwale (Länge ca. 12m) beim Ausbaumen des Vorsegels vorm Bug auf. Der Eine war leicht Stb-voraus, ein anderer leicht Bb-voraus. Wir waren nicht mehr in der Lage, dem quer vor dem Bug scheinenden Wal auszuweichen. Abrupt verlor die MILAN beim Ramming des Wales die Fahrt. Wohl mit dem Schrecken und ohne großen Schäden konnten die Wale und MILAN glücklicherweise ihre Reise fortsetzen. Das schöne warme Wetter nutzend, wurde nicht nur gebadet, sondern wir haben uns auch die Füße platt gelaufen und alle Sehenswürdigkeiten im Umkreis von 5km angesteuert. Der Rückweg zum Boot führte uns dann immer durch die schöne Altstadt. Hier hatten wir eine kleine gemütlichen Tapas-Bar als festen Platz für unseren Boxenstopp erkoren. Die Abende klangen dann an Bord mit wirklicher Urlaubsstimmung aus. Da Andre und Marko ihren Rückflug von Santiago de Compostella gebucht hatten, machten sie sich bereits am Donnerstag auf den Weg um von dem bekannten Pilgerort was zu sehen. Während dessen bereiteten Dennis und ich die MILAN für die neue Crew vor.

 

 

 

 

 

2017/04/15 – 2017/05/11 Samstag – Donnerstag Bermudas – Azoren (1970sm / ges. 10142sm)

2017/04/15 – 2017/05/11 Samstag – Donnerstag Bermudas – Azoren (1970sm / ges. 10142sm)

Das Abholen von Andre und Steffen am Flughafen von St. Georg’s klappte nicht ganz reibungslos. Der Flieger war gelandet, die Passagiere längst durch, aber keine Spur von der neuen Crew?

Nach einer gefühlten Ewigkeit tauchten die Beiden matt grinsend mit Handgepäck auf…? Das Gepäck war im Bermuda Dreieck verschollen. Also ging es erstmal so zurück, zur vor Anker liegenden MILAN. Später stellte sich heraus, dass die Reisetaschen gemäß Flugauskunft noch in Hamburg standen. Damit war das für Montag geplante Aufbrechen zu den Azoren mit einem Fragezeichen behaftet. Die Stimmung an Bord war trotzdem gut.

Von Bord ging es gleich wieder an Land zu einem Rundgang durch St. Georg’s und der nordöstlichen Landspitze mit deren Festungen und Badebuchten. Natürlich war auch ein Abstecher in den Supermarkt dabei, um den Neuen das lokale Angebot und die Preise vorzustellen. Es folgte blankes Entsetzen und große Fragezeichen in den Augen mit der Frage, wie die Einheimischen diese Preise zahlen können. Ein Apfel kostet ~1,89US$.

Am Sonntag war Inselrundfahrt angesagt. Dazu hatten wir auch Jörg von der „SUCA“ eingeladen. Unser erster zwangsweiser Busstopp war in Hamilton zum Umsteigen, bei dem wir gleich einen Großteil aller Sehenswürdigkeiten im Umfeld des Busbahnhofes besuchten. Danach brachte uns ein weiterer Bus an die nordwestlichste Spitze der Bermudas – den sogenannten Dock Yards – jetzt ist dies ein Museum und Touristenzentrum – früher war es eine Festung und Ausrüstpunkt der Britischen Schiffe. Mit der Schnellfähre ging es am späten Nachmittag durch die Inselwelt wieder nach Hamilton und mit dem Bus zurück nach St. Georg’s. Das fehlende Gepäck war überraschend inzwischen angekommen und stand abholbereit in der Speisekammer von Geza Wolf’s Restaurant „Wahoo“. So klang ein erlebnisreicher Tag mit Jörg bei guter Pizza „MILAN-SPEZIAL“ an Bord aus.

Die Wettervorhersage für unseren Trip war nicht gerade berauschend – mehrere Tiefs waren aus dem Nordwesten im Anmarsch und über den Azoren lag verfestigt ebenfalls ein Tief. Warten oder los – schwierige Entscheidung! Mit Steffens Rücksprache beim DWD fielen die Würfel auf sofortiges Auslaufen! Nun hieß es schnell die letzten Vorbereitungen treffen. Frischwasser übernehmen und bei den Behörden ausklarieren.

Der erste Kurs war jedoch auf Grund der Großwetterlage nicht in Richtung Azoren (ca. 1800 sm), sondern erst mal ein paar 100 sm nach Südosten ablaufen, um den Tiefs auszuweichen. Trotzdem herrschte dort Wind mit einer Stärke von 7-8 Bft, in Böen auch 9 und auch die Welle war mit bis zu 6 m höhe, wie vorhergesagt. Alles zusammen machte das Bordleben nicht einfach. Steffen, der hinter den Ohren gegen „Fische füttern“ gepflasterte Kombüsenchef, stellte für 3 Tage, total unverständlich für die immer hungrige Crew, einfach die Dienste ein!?! OK, die Bedingungen waren auch äußerst herausfordernd ….

Rund 300sm südlicher als der Idealkurs ging es dann wieder Richtung Azoren. Das gefährliche Unterwassergebirge mit nur 5 m Wassertiefe mitten im Atlantik ließen wir mit sicherem Abstand im Norden liegen. Schon 8 Tage (1000sm gesegelt), drehte der Wind immer ungünstiger für uns auf Nordost. Die Crew war von dieser Entwicklung nur wenig begeistert. Nur langsam wurden „Gute Seemeilen“ auf’s Ziel gemacht. Am 10. Segeltag (noch über 1000sm bis zu den Azoren) entschlossen wir uns, bis zum nächsten Winddreher unter Maschine weiter Richtung Azoren zu laufen. Erschreckend fanden wir, was an Plastikmüll uns mitten auf dem Atlantik begegnete. Für uns war es Gesetz und Bestätigung, dass wir nur Biomüll über Bord gaben. Am Samstag den 29.04. haben wir die Uhr um 2 Stunden vorgestellt. Sonntagfrüh kommt endlich wieder Wind auf. Bereits zu Mittag blies es mit 7 Bft., das Barometer fiel schnell (innerhalb von 8 Stunden) um 10hPa. Höchste Alarmstufe. Segel wurden verkleinert, die Welle erreichte jetzt bereits 6m und – das Barometer fiel am Folgetag um weitere 10hPa. Nur unter 5qm Vorsegel ließen wir uns vom Wind Richtung Azoren jagen. Immer wieder musste gehalst werden, um Wind und Welle nicht direkt von achtern zu bekommen. Trotzdem war Neptun nicht jedem Rudergänger wohl gesonnen. Auf dieser Strecke wurde die neue Einheit „ein Steffen“ eingeführt. Das waren die Brecher, die einen pudelnass machten. 8 Stück innerhalb von 3 Stunden waren eine gute Leistung. Nur einfaches Essen kam aus der Kombüse und an erholsamen Schlaf war nicht zu denken. Trockenes Ölzeug gab es auch nicht mehr an Bord. Leider hat auch Dennis die Welle etwas gebeutelt. Sein Handtuch musste das überlaufende Nudelwasser feudeln und fortan für den weiteren Reisebetrieb in der Backskiste mitreisen. Das sich entwickelnde Odeur machte keine Nase froh. Mit oft über 7 kn ging es Richtung Horta, die noch zu segelnden Seemeilen nahmen deutlich ab.

Was nicht abnahm waren Dennis Haare. Bei 5 m Welle übernahm der standfeste Steuermann Andre den Job des Atlantik Barbier und schor Dennis nach guter Marine-Tradition den Poller. Das Barometer fiel unterdessen um weitere 5 hPa, jetzt bei 995 hPa angekommen, wollten wir endlich den Hafen von Horta erreichen, ehe es noch ungemütlicher wird. Nach mehreren Anlaufversuchen bei Böen um 8 bft machten wir am frühen Morgen des 06.05. wohlbehalten in Horta fest. Die Crew schwankte wie sturzbetrunken an Land – und das alles ohne Alkoholgenuss. Ausschlafen, Reparaturen und Reinschiff prägten die nächsten Tage.

Den diversen nach uns einlaufenden Schiffen sah man den Kampf mit den Naturkräften an. Mastbrüche, zerrissene Segel und durchgescherte Rollreffprofile brachten dies zum Ausdruck. Das Barometer war jetzt bei 990hPa stehen geblieben. Schauerwetter schränkten die Landausflüge erst mal auf das nähere Umfeld ein. Da André und Marko bereits am Dienstag anreisten, wurde die große Inselrundfahrt auf später verschoben. Andre und Steffen musterten zugunsten André und Marko frühzeitig ab und bezogen stattdessen ein Zimmer in einem 4 Sterne Hotel in Horta. Die freie Zeit nutze Andre mit einem Tauchgang in der fantastischen Unterwasserwelt der Azoren. Zum Abschied der alten Crew und Begrüßung der Neuen gab es wieder die MILAN Spezial-Pizza.